Damit Karies entstehen kann, müssen mehrere Faktoren zusammen kommen:
Es müssen kariesverursachende Bakterien (z.B, Streptococcus mutans) vorhanden sein. Diese werden in der Regel von den Eltern auf die Kinder übertragen.
Die Bakterien müssen „Nahrung“ haben. Dies sind Kohlenhydrate, vor allem Zucker, der von den Bakterien zu Säure umgewandelt wird. Diese Säure löst den Zahn langsam auf.
Die Bakterien brauchen Zeit, um ihr zerstörerisches Werk zu tun.
Durch dauerhaftes Trinken aus Nuckelflaschen, Trinklernbechern, Schnabel-bechern, Sportlerflaschen und auch Strohhalmen etc. – kurz aus allem was eine kleine Öffnung zum Trinken hat, werden diese Kriterien schnell erfüllt. Auch durch sehr intensives Stillen über den 6-ten Lebensmonat hinaus, also zu dem Zeitpunkt wenn die ersten Zähne kommen, kann eine Early-childhood-caries ausgelöst werden.
Der Trinkvorgang aus solchen Flaschen dauert wesentlich länger als wenn aus einem Glas oder einer Tasse getrunken wird, außerdem wird den Kindern die Flasche oder der Trinklernbecher oft selbst überlassen, sie trinken immer wieder kleine Mengen. Um die entstehenden Säuren zu neutralisieren, braucht der Speichel 30 min. So lange nach dem Trinken kann also die Säure den Zahn „auflösen“. Wird immer wieder ein kleiner Schluck getrunken, ist der Speichel gar nicht mehr in der Lage, diese Säure zu neutralisieren und es kann ständig Zahnsubstanz „aufgelöst“ werden. Die Karies schreitet rasch fort. Besonders schnell geht dieser Prozess, wenn nachts zuckerhaltige Getränke getrunken werden. Nachts ist der Speichelfluss stark eingeschränkt, so wie auch unsere übrigen Körperfunktionen, die Säure kann also noch schneller ihr Werk tun.
Wie kann man Fläschchen-Karies vermeiden?
Übertragung von Bakterien vermeiden:
Nahezu jeder von uns hat Streptococcus mutans im Mund, die Karies ver-ursachenden Bakterien.
Um sie nicht oder nur in geringer Menge auf das Baby zu übertragen,
gibt es ein paar einfache Tipps:
Die Eltern sollten vor der Geburt des Kindes kariesfrei sein, das heißt, alle Zähne sollten, wenn notwendig, entsprechend behandelt sein.
Um die Keimzahl zu vermindern, sollte die Mutter (evtl. auch der Vater) während der Schwangerschaft, einmal am Anfang und einmal am Ende für je eine Woche die Zähne mit einem antibakteriellen Chlorhexidin-Gel putzen.
Lecken Sie niemals den Nuckel oder Löffel etc. ab.
Den Bakterien keine Nahrung geben:
Geben Sie von Anfang an nur ungesüßte Getränke wie Wasser, ungesüßte selbst aufgebrühte Tees oder Milch. In nahezu allen löslichen Granulattees ist Zucker enthalten! Besonders beliebt sind Fruchtschorlen vor allem die Apfelschorle. Wegen des Hinweises: „ohne Zuckerzusätze“ fühlen sich die meisten sicher und bedenken nicht, das in den Früchten selbst auch Zucker enthalten ist. Auch Verdünnungen mit sehr viel Wasser enthalten noch Zucker! Damit kann Karies verursacht werden. Ebenso enthält Muttermilch Zucker.
Bedenken Sie auch:
Fruchtsäfte enthalten Fruchsäuren – und auch die können aggressiv auf die Zähne wirken!!!
Richtiges Trinken für Babys und Kleinkinder
Wenn die Karies auslösenden Bakterien keine Zeit haben, kann eine Karies entstehen.
So verhalten Sie sich richtig:
Die ersten 4-6 Monate sollte das Kind nach Möglichkeit gestillt werden.
Achten Sie hier schon darauf, dass es nur so lange trinkt, bis es satt ist und die Brust nicht als Dauernuckel benutzt.
Wenn das Kind aus der Nuckelflasche trinkt, sollten Sie die Flasche stets selbst halten, überlassen Sie sie nie dem Kind selbst. Dabei gibt es einen einfachen Trick: Kaufen Sie nur Glasflaschen, dann kommen Sie gar nicht erst in die Versuchung sie Ihrem Kind unbeaufsichtigt zu geben.
Sobald Ihr Kind allein sitzen kann, helfen Sie ihm, aus einem Becher zu trinken. Da am Anfang noch viel gekleckert wird, geben Sie Wasser in den Becher, das macht keine klebrigen Flecken. Schnabelbecher können evtl. für den Übergang, etwa 6 Wochen lang benutzt werden. Füllen Sie auch diese nur mit Wasser oder mit selbst aufgebrühten ungesüßten Tees.
Geben Sie niemals eine Nuckelflasche oder einen Trinklernbecher etc. mit ins Bett.
Ab dem ersten Geburtstag sollte Ihr Kind ausschließlich aus Bechern oder Tassen trinken und nicht mehr aus der Nuckelflasche, Schnabelbechern etc.
Reinigen Sie die Zähne regelmäßig. Wenn keine Plaque auf den Zähnen ist, haben die Bakterien keine Nahrung und keine Zeit die Zähne zu zerstören.
Wie macht sich ein Fläschchen-Karies bemerkbar?
Die typische Fläschchenkaries beginnt an den oberen Schneidezähnen. Am Anfang sieht man oft weiße Linien auf diesen Zähnen, die entlang des Zahn- fleischsaumes verlaufen. Dies sind bereits Entkalkungen durch die Säure. In diesem Stadium kann der weitere Verlauf meistens noch aufgehalten werden.
Diese weißen Stellen entwickeln sich weiter zu sichtbaren kariösen Defekten.
Manchmal bildet sich die Karies zunächst auf der Zahnrückseite als braune Stellen und wird von den Eltern gar nicht bemerkt. Breitet sie sich auf die Zahnvorderseite aus, ist der Prozess meistens schon sehr weit fortgeschritten.
Im weiteren Verlauf verlieren die Zähne immer mehr Substanz, brechen teilweise in kleinen Stücken ab. Die Kinder haben meistens Schmerzen, was man z.B. daran beobachten kann, dass sie sich die Zähne nicht mehr putzen lassen wollen. Die Karies befällt dann auch die anderen Zähne im Oberkiefer und schließlich den Unterkiefer.
Durch die fortschreitende Karies kommt es zu Entzündungen zunächst der Zahnpulpa (Zahnnerv), später zu Fisteln (kleine Eiterpickelchen auf dem Zahnfleisch) und sogar zu eitrigen Abszessen (Schwellungen im Mund oder Gesichtsbereich). Ist es so weit gekommen, kann sich die Entzündung weiter ausbreiten und sogar zu einer lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung führen.
Welche Folgeschäden sind zu erwarten?
Ist ein Zahn zu stark zerstört oder entzündet, kann er nicht mehr erhalten werden. Es kommt zum vorzeitigen Zahnverlust.
Dadurch kann es zu entsprechenden Folgeschäden kommen:
• Einschränkung der Ästhetik
• Gestörte Kaufunktion
• Sprachprobleme
• Platzprobleme für die bleibenden Zähne
• Schäden an den bleibenden Zähnen
(Flecken auf dem Zahnschmelz)
Wie kann man Fläschchen-Karies behandeln?
Besonders wichtig ist, so früh wie möglich zum Zahnarzt zu gehen (am besten zu einem spezialisierten Kinderzahnarzt). Je kleiner die Defekte sind, desto besser die Erfolgsaussichten. Also: Wenn der Zahn da ist, sollte ein Kind zum ersten Mal zum Zahnarzt.
Wie im einzelnen die Behandlungen aussehen können, lesen Sie bitte in unseren Kapiteln über Füllungen, Kronen und Kinderprothesen.
Was tun, wenn es bereits zu Fläschchen-Karies gekommen ist?
Ist es einmal zur Karies gekommen, muss dringend eine zahnärztliche Behandlung erfolgen, damit die Karies gestoppt wird, eventuelle Entzündungen und Schmerzen beseitigt werden und so viele Milchzähne wie möglich als Platzhalter für die bleibenden Zähne erhalten werden. Das wichtigste Ziel ist es, die schon vorhandenen Zahnkeime der bleibenden Zähne zu schützen und deren ungestörten Durchbruch zu gewährleisten. Aber: Zähne mit Entzündungen im Wurzelbereich müssen entfernt werden, um die bleibenden Zahnkeime zu schützen. Außerdem muss das Dauernuckeln sofort abgestellt werden, um weiteren Zahnschäden vorzubeugen. Sie müssen in diesem Falle sehr schnell handeln, da die Krankheit sehr schnell fortschreitet. Ersetzen Sie sofort die süßen Getränke durch Wasser und erklären Sie Ihrem Kind warum Sie dies tun. Zuckerhaltige Getränke sollte es nur noch ausnahmsweise geben und dann auch nur aus dem Glas, Becher oder Tasse und nur zu den Mahlzeiten, wenn anschließend sowieso die Zähne geputzt werden.
Tipps zum endgültigen Entwöhnen von der Flasche finden Sie im Kapitel „Nuckeln abgewöhnen“.